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Taubblindendienst

der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) e.V.

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Kleines ABC des Taubblindendienstes

Kleines ABC des Taubblindendienstes
aus Anlass des 70. Geburtstages von Ruth Zacharias, der Gründerin.

 

Dieses Alphabet erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit - ganz bestimmt wurde Wichtiges vergessen!
Alles aufzuzählen ist hier nicht möglich und würde den Rahmen sprengen.

A

In der Abhängigkeit von Gott begann der Dienst an Taubblinden, und nur in ihr kann dieser Dienst getan werden, wenn er seinem ursprünglichem Ruf und Wesen treu bleiben will.

Das Abendmahl wurde für Taubblinde oft entscheidend wichtig. Sie, denen man mit Worten so wenig vermitteln kann, haben darin gespürt, wie Jesus ihnen nahe ist. Dadurch ist auch mir etwas vom Geheimnis des Abendmahles aufgegangen.

B

Blind sein - Ruth Zacharias ist blind, aber "sieht" oft viel mehr als "Sehende". Auch bei anderen einschl. Taubblinden kann man das erleben. Manchmal sind wir "Sehenden" die eigentlich Blinden... Die "Augen des Herzens" sind so entscheidend - doch bei wem sind sie geöffnet?

Behinderungen gibt es viele... Wer mit Behinderten zusammen ist, entdeckt mitunter, dass auch er seine Behinderungen hat bzw. dass die Nichtbehinderten die eigentlich Behinderten sind. Wie viel kann man von Taubblinden lernen - sie können wahre Lehrmeister sein, was z.B. Echtheit, Lebensfreude und Lebensmut angeht. Nach allem, was man wissen kann, ist Taubblindheit wohl die folgenschwerste Behinderung, die ein Mensch erleiden kann...

Immer wieder ging und geht es darum, die Botschaft zu empfangen, durch die Gottes Liebe in die Herzen der Taubblinden kommt.
Im Taubblindendienst habe ich etwas davon gelernt, was es heißen kann, von Gottes Geist inspiriert zu verkündigen.

C

Christus - die Mitte

Christsein leben: "Ich bin so gerne Christ" - ein Motto und Thema von Ruth Zacharias: Lieber blind und Christ als Sehend und gottlos, wobei das nicht platt gemeint ist,
sondern durchlitten und durch-buchstabiert und durchlebt wurde...
Der Taubblindendienst ist übrigens eine hervorragende Möglichkeit, Christsein wirklich praktisch zu leben!

D

Dienen, Dienst, statt herrschen und konsumieren oder nur verdienen, etwas, was heute scheinbar immer seltener, zugleich aber immer nötiger wird...

Duft - die "Farbe" für Blinde und Taubblinde ...

E

"Es begab sich..." Eines der "Siegel" im Reich Gottes. Vieles, was im Taubblindendienst geschah und da ist, "begab sich" - nicht geplant, ursprünglich nicht beabsichtigt, aber genau so richtig und passend.

F

Finsternis
Es gibt nicht nur die äußere Finsternis, unter der Blinde leiden. Es gibt auch eine innere oder geistliche Finsternis, die unter Behinderten (und auch Nichtbehinderten!) ihre Opfer sucht. Das bedeutet Kampf. Wie gut, dass das Licht stärker als die Finsternis ist!

Führen: Das gehört zu den Aufgaben der Helfer bei Blinden und Taubblinden: Auf Tuchfühlung sein - und immer einen halben Schritt voraus,so läuft gute Führung übrigens immer! Gute Führung drängt und schiebt nicht.

Fördermittel: Durch sie hat Gott uns neben den Spenden immer wieder versorgt und konnte vieles werden...
Wenn nur die viele Bürokratie nicht wäre... Aber wir sind noch nicht im Himmel...

Fördergemeinschaft Botanischer Blindengarten e.V. - Eine Möglichkeit, sich im Taubblindendienst zu engagieren!

G

Gott - an erster Stelle

Gnade - Gnade in meinem Leben - so hat Ruth Zacharias einmal ihr Zeugnis überschrieben.

Glauben: Er kann an der Gnade festhalten, auch wenn sie gerade einmal nicht zu spüren ist.

Glaubenswerk: Der Taubblindendienst ist ein Glaubenswerk in dem Sinne, dass er sich von Gottes Führung und Versorgung (u.a. durch Spenden) abhängig weiß. Aber er ist es nicht in dem Sinne, dass er verbissen an seinen eigenen Glauben glaubt und das, was geschenkt wurde und entstanden ist, seinem eigenen Glauben zurechnet.

Gottesdienste für Taubblinde - etwas ganz Besonderes. Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort wird einzeln in die Hand geschrieben. Das erfordert Konzentration in jeder Weise, und es ist eigentlich kein Platz für Dinge, die nicht zum "Zentrum" gehören.

Gehörlose, die erblinden (Usher-Syndrom), ein besonderes Problem, mit dem wir es immer wieder zu tun haben.

Garten: Der Botanische Blindengarten - vielleicht ein kleines Abbild des himmlischen Gartens, des Paradieses, mit vielfältigen Eindrücken für Nase und Hände Blinder und Taubblinder und natürlich auch eine Augenweise für die, die sehen können.
Solche Gärten können sogar eine heilende Dimension haben.

H

Gelebte Hingabe, nur so ist der Dienst an Taubblinden möglich.

Helfer waren und sind immer wieder zur Stelle und sind unabdingbar, nur so erreicht z.B. bei Veranstaltungen und Gottesdiensten das, was "vorne" geschieht, auch die Taublinden. Die Helfer übermitteln so z.B. die Botschaft und verdolmetschen sie so, dass sie im einzelnen Herzen ankommt, ein Dienst, den sonst der Heilige Geist an jedem Menschenherzen tut.

I

Immer (noch) will ich Freude haben, das ist eine der „inneren Bedingungen", die Ruth Zacharias für das Verbleiben in ihrem Dienst gestellt, oder – wenn man so will – mit Gott vereinbart hat. Gott schenkt Freude, in IHM ist Freude und in IHM haben wir Freude
(können oder sollen wir Freude haben - Phil 4,4). Wenn nicht, dann stimmt etwas nicht! Dasselbe kann und muss erst recht vom Frieden Gottes gesagt werden, der so etwas wie Gottes „mindeste Gabe" darstellt – vgl. Joh 17,27; 16,33, Kol 3,15 u.a.
Leben in geistlicher Disziplin und Wachsamkeit dem eigenen Herzen gegenüber, das kann man von Ruth Zacharias lernen.

J

Jesus - unser Herr und Erlöser, der uns sendet, uns vergibt, befähigt, führt....

K

Kommunikation ... viele Arten gibt es und sind nötig und müssen gelernt werden, um mit Taubblinden im Gespräch zu sein. Am schlimmsten sind die dran, mit denen (so gut wie) keine Kommunikation möglich ist...

L

Liebe Gottes, Liebe leben - das Fundament, auf dem alles steht oder stehen soll.
Der Taubblindendienst: Gottes Liebeswerk (im Unterschied zu nur: Glaubenswerk) für Taubblinde.

Lormfamilie: Alle die "lormen" können und so eine der wichtigsten (Hand-)Sprachen für Taubblinde beherrschen.

M

Mitarbeiter...! Nicht alle davon stehen im Rampenlicht - Aber: die Hintergrundarbeiten sind entscheidend und ermöglichen erst
die Arbeiten im "Vordergrund"!!! Sie haben einen großen Anteil an Gottes Liebeswerk! Wer ist berufen und lässt sich rufen und lebt seine Berufung?

Die richtigen Menschen als Begleiter, Helfer, Ratgeber und Mitarbeiter - Gott schenkt sie immer wieder, aber es gibt auch ein Ringen darum!

N

Nicht wissen, nicht können, nicht haben ... aber von Gott gesegnet und gebraucht werden - so hat es begonnen, und das gehört in gewisser Weise zum Wesen des Taubblindendienstes.
(Vgl. auch die ursprüngliche Überschrift im Programm: „Fest zur Ehre Gottes":
„Gottes Regie in meinem Leben - deshalb konnte aus dem Nichts so vieles werden...")

O

Organisation und mehr... Viel Organisation ist nötig, kaum überschaubar ...
Und doch erklärt und ermöglicht das nicht alles, was geschieht und geschenkt wird... !

P

Pflanzen, die duften und sich schön anfühlen im Botanischen Blindengarten oder auch auf dem Balkon zuhause - eine Wissenschaft für sich, in der Ruth Zacharias eine Expertin geworden ist ... Wie viele profitieren davon!

Q

Qualität, die aus der Liebe kommt - das Kennzeichen des Taubblindendienstes, auch des "Hauses" Storchennest.
Es geht nicht um Luxus, sondern Menschen, denen soviel an uns gewohnter Lebensqualität fehlt, sollen es hier einfach gut haben und so Liebe empfangen!

R

Ruth (hebräisch: „Freundin, Freundschaft"). Ruth – die Freundin der Taubblinden...

Reich Gottes: Das Thema auf vielen Rüstzeiten - und zugleich Inhalt und Teil der Berufung von Ruth Zacharias:
Wie viel ist darüber – auch mit anderen, Helfern und Mitarbeitern und seelsorgerlichen Begleitern - nachgedacht, gefragt, gebetet, verkündigt worden: Wie sieht das aus: Reich Gottes unter Taubblinden? Leiden und Fragen bleiben...

S

Schwachheit und Stärke - Das Dauerthema oder der rote Faden im Leben von Ruth Zacharias.
Sehbehinderte - auch sie gehören dazu - bei jedem ist es anders, wie viel an Sinneswahrnehmung noch möglich ist - Taubblinde und Hör-Seh-Behinderte - da kann man nur jeden ganz persönlich und besonders nehmen...

Stumm sein: Die meisten Gehörlosen haben eine Lautsprache erlernt, in der sie sich äußern und ihrer Umgebung mitteilen können - im Übrigen sind die „Gebärden" ihre „Muttersprache". Wenige sind ganz stumm. Sie können ihrer Umgebung überhaupt nicht erklären, was in ihnen vorgeht. Dieses Eingeschlossensein ist eine zusätzliche Hölle, die Qualen mit sich bringt, in die wir uns kaum hineinversetzen können. Bestimmte Auffälligkeiten sind die Folge.

Seminare: Sie waren eine große Hilfe besonders für die Eltern taubblinder Kinder, die in DDR-Zeiten auf sich allein gestellt waren, weil es "Taubblinde" eigentlich und „offiziell" gar nicht gab... Aber auch weiterhin hatten und haben die Seminare ihre Bedeutung.

Storchennest - Aus einer ruinierten Geburtenklinik wurde ein Haus der Geborgenheit für Taubblinde.
Aus einem Riesenchaos wurde Ordnung und Schönheit – das „klingt nach Gott"!

Spenden: Der Taubblindendienst - ein einzigartiges Spendenwerk, viele sagen:
So kann das doch gar nicht funktionieren und gehen ...!

T

Taub sein - das darf man bei Taubblinden nicht einfach zum Blindsein addieren.
Taubblind ist eine eigene Art von Beihinderung! In Deutschland kämpfen wir noch darum, dass das anerkannt wird und nach internationalem Recht endlich das Merkmal "taubblind" (tbl) im Schwerbehindertenausweis eingetragen wird.
Betroffene sagen übrigens: Blindsein trennt von den Dingen, Taubsein trennt von den Menschen (was das Schlimmere ist!).

U

In DDR-Zeiten war Ruth Zacharias als Blinde viel allein (!) unterwegs mit öffentlichen Verkehrsmitteln(!), um Taubblinde zu besuchen. Als Sehender konnte und kann ich mir kaum vorstellen, wie so etwas möglich ist...

V

Alles schreit heute nach Visionen! Jeder Geschäftsmann, jeder Mensch, auch jeder im geistlichen Dienst, soll oder muss eine „Vision" für sein Leben und seinen Dienst haben und danach alles entwickeln und seine „Vision" verwirklichen.
Wohltuend empfinde ich: Ruth Zacharias schreibt in ihrem Buch "Gottes Liebe zu bezeugen" von „Impulsen", denen sie gefolgt ist, statt von „Visionen". Die „Vision", den Überblick, das ganze Bild hat Gott. Das genügt. Und es genügt, wenn wir Seinen Impulsen folgen!
(Wem es anders gegeben ist, der soll es anders tun, aber mir ist das mit den „Impulsen" sehr sympathisch, weil ich es ähnlich erlebe.)

W

Wunder: Ohne sie ginge es im Taubblindendienst nie und wird es nicht gehen. Wunder kann man nicht "machen", auch nicht durch seinen Glauben, aber wir dürfen sie immer wieder erbitten und empfangen.

X

Xerophil: das heißt: Trockenheit liebend - bestimmte Pflanzenarten sind das - welche, da bin ich überfragt, ich denke da nur an Kakteen - für Taubblinde wohl eher nicht geeignet...

Und: xenophil: das heißt "die Fremden liebend", "den Fremden gegenüber aufgeschlossen". Jeder Taubblinde ist ein besonderes Geheimnis, uns fremd - in einer ganz eigenen Welt sozusagen eingesperrt. Wer das Fremde / Fremdartige nicht lieben kann, kann Taubblinden nicht dienen oder mit ihnen arbeiten. Umgekehrt müssen sich Taubblinde auf ganz fremde Helfer und Mitarbeiter einlassen, obwohl sie sie durch ihren Tast- und Geruchssinn nur wenig einschätzen können. Wenn sie nicht „xenophil" wären und Vertrauen zu zunächst Fremden hätten, wäre Taubblindenarbeit nicht möglich!

Y

Das ist auch Bezeichnung für eine unbekannte Größe in der Mathematik. Im TBD gab und gibt es viele Ergebnisse nicht nach irdischer, sondern nach himmlischer Mathematik, wo die uns unbekannte Größe der Faktoren Gottes die Rechnung ausmacht. Das erspart nicht eine exakte Buchführung, Planung und Verwaltung, die wir zum Glück haben – trotzdem: Ohne den „Faktor Y" gäbe es den Taubblindendienst so nicht!

Z

wie Zacharias natürlich, = die hebräische Form von Sacharija
= Jahwe ist ruhmreich, der HERR ist zu rühmen.
Der Dank und die Dankbarkeit gehört zu den Grundmelodien im Leben von Ruth Zacharias.

Ich muss auch denken an das kleine Zimmer im Altersheim in Dresden, Coschützer Str. 58, von dem aus lange Jahre alle Arbeit geschah / geschehen musste.

Aus etwas ganz Kleinem ist etwas sehr Großes geworden.

Wir sind beim Z angelangt, aber zu Ende buchstabieren kann man das alles wohl nie...

Stephan Zeibig, Klingenthal, am 12.08.2010


Hier können Sie das kleine ABC des Taubblindendienstes herunterladen.


 

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